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Darum hat Trump die Huawei-Managerin auf dem Kieker

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Quelle: Reuters
1:44 Min.

Plötzlich steht die Firma, die Deals gerne eher ohne viel Aufsehen macht, im internationalen Rampenlicht: Huawei Technologies aus China.

Dessen Finanzchefin Meng Wanzhou (46) sitzt seit 1. Dezember in Kanada im Knast wegen eines Haftbefehls der US-Justiz. Beim geplanten Umsteigen klickten am Flughafen in Vancouver die Handschellen.

▶︎ Der Knall-Effekt ihrer Festnahme führte zu weltweiten Börsenbeben, der Dow-Jones-Index in New York stürzte vorübergehend um mehr als 700 Punkte ab, zum Börsenschluss lagen die Verluste dann aber nur bei 79 Punkten.

Auch der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor am Donnerstag 3,48 Prozent und schloss bei 10 810,98 Punkten. Damit fiel der Index auf den tiefsten Stand seit Anfang Dezember 2016. Börsianer erwarten aber, dass sich der Dax am Freitag wieder erholen wird.

Meng soll wegen Verstößen gegen das US-Embargo gegen den Iran festgenommen worden sein. Pikant: Die Verhaftung erfolgte fast exakt zum Zeitpunkt, als US-Präsident Donald Trump (72) und Chinas Xi Jinping (65) beim G20-Gipfeldinner in Argentinien einen „Waffenstillstand“ beim Handelskrieg aushandelten …

Eine für Freitag angesetzte Kautionsanhörung könnte jedenfalls Klarheit über die genauen Vorwürfe der Amerikaner gegen Meng bringen.

Verdacht gegen Huawei

Fest steht: Die Verhaftung der Tochter von Konzerngründer Ren Zhengfei, einem der mächtigsten Wirtschaftsbosse Chinas, löste eine neue Eiszeit in den bereits durch den Handelskonflikt schwer belasteten Beziehungen zwischen Washington und Peking aus.
Die zwei größten Volkswirtschaften der Welt scheinen auf fatalem Kollisionskurs.

Ins Visier gerät bei dem Showdown aber auch Huawei selbst: In einer sagenhaften Erfolgsgeschichte stieg das 1987 gegründete Unternehmen zum größten Telekom-Ausrüster der Welt auf und verdrängte gerade Apple als Nr. 2 im Ranking der Smartphone-Hersteller.

Huawei ist aktiv in 170 Staaten und Partner von 45 der 50 größten Telekom-Firmen. 170 000 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von 92,5 Milliarden Dollar (81,2 Mrd. Euro).
Doch schon vor dem Haftdrama wurde oft die Frage gestellt: Wie gefährlich ist Huawei?

Seit Jahren tobt die Debatte: Sind in Komponenten von Handy-Netzen „Hintertüren“ eingebaut? Und könnten so chinesische Geheimdienste oder der Armee Spionage betreiben? Ominös schien schon immer: Gründer Ren war einst Ingenieur bei der Volksbefreiungsarmee.

„China sieht das Unternehmen als Speerspitze bei seinen Ambitionen zur globalen Technologiedominanz, der Großteil der übrigen Welt jedoch sieht die Firma zunehmend als potenziellen Kanal für Spionage und Sabotage“, schreibt die „New York Times“.

Japan will keine Huawei-Deals mehr

▶︎ Als Erste stellten sich die USA quer beim Eroberungszug der Chinesen: Nach einem alarmierenden Kongress-Bericht in 2012 verzichteten US-Mobilfunkbetreiber wie AT&T oder Verizon auf die Verwendung von Huawei-Netzwerkkomponenten. Die würden „eine Fülle von Möglichkeiten bieten für chinesische Geheimdienste“, wurde der Kongress deutlich.

Das Unternehmen trieb daraufhin seine Geschäfte im Rest der Welt voran: 2017 wurde bereits ein Viertel des Umsatzes in Europa, dem Nahen Osten und Afrika erwirtschaftet.

Zuletzt jedoch kam es zu starkem Gegenwind in immer mehr Ländern, die sich in dem Showdown zunehmend auf die Seite der Amerikaner schlagen:

▶︎ Japan will laut Insidern keine Lieferverträge mehr mit Huawei und einem weiteren chinesischen Telekom-Anbieter, ZTE, abschließen. Ein entsprechendes Verbot sei in Vorbereitung, hieß es am Freitag. Demnach werde die Regierung womöglich am Montag ihre internen Beschaffungsvorschriften überarbeiten.

  • Huawei-Top-Managerin

    USA lassen China-Chefin verhaften

    Top-Managerin Meng Wanzhou, die für den chinesischen Smartphone-Riesen Huawei arbeitet, wurde in Vancouver (Kanada) verhaftet.

▶︎ Australien untersagte den Einsatz der Huawei-Technologie beim Bau eines neuen, ultraschnellen 5G-Mobilfunknetzes.

▶︎ Die Regierung in Neuseeland verbot Handy-Firmen 5G-Equipment der Chinesen zu kaufen.

▶︎ In Großbritannien warnte gerade der oberste Geheimdienstchef des Königreichs, man sollte Huawei nicht erlauben, federführend beim Aufbau der 5G-Struktur mitzuwirken.

▶︎ Ähnliche Bedenken wurden gerade auch in Kanada laut, auch hier seitens der Spionageabwehr.

Anders die Lage in Deutschland: Die Deutsche Telekom hält die Spionagevorwürfe für weitgehend unbegründet und arbeitet mit den Chinesen auch beim Netzausbau zusammen.

Wut in China

Die Wut in China kochte nach der Festnahme vom Meng über. „Das ist eine Kriegserklärung“, tobte Hu Xijin, Chefredakteur der „Global Times“. Denn für Peking ist Huawei eine wichtige Komponente beim Erlangen globaler Vorherrschaft bei Zukunftstechnologien wie 5G-Mobilnetzen, Supercomputern oder Künstlicher Intelligenz.

Huawei hat die Vorwürfe, ihr Produkte könnten zur Spionage oder Sabotage missbraucht werden, bisher stets energisch zurückgewiesen.

Im Vorjahr war die Trump-Regierung bereits gegen ZTE, Huaweis Hauptrivalen, vorgegangen. Der Vorwurf: Mitarbeiter hätten US-Sanktionen gegen den Iran und Nordkorea umgangen. Jegliche US-Geschäfte wurden verboten, ein Todesurteil praktisch wegen der Abhängigkeit des Unternehmens von US-Mikrochips.

  • Dax runter, Wall Street unsicher

    Börsenbeben wegen verhafteter China-Managerin

    Nach der Festnahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou ist die Angst vor einer Eskalation zurück. Aktien sind im Sinkflug!

Nach Interventionen aus Peking war das Verbot nach der Zahlung einer Milliardenstrafe gelockert worden. Doch nachdem ZTE das Übereinkommen neuerlich verletzt hatte, verhängte das Handelsministerium im April einen endgültigen Boykott.

Das Justizministerium hatte neben ZTE im Jahr 2016 auch mit Ermittlungen gegen Huawei begonnen, Firmenunterlagen wurden eingezogen bezüglich des möglichen Exports von US-Technologie nach Kuba, Iran, Nordkorea, Sudan und Syrien, berichtete die „New York Times“.

Die Untersuchungen hätten sich im Laufe des Jahres ausgeweitet, hieß es, Staatsanwälte des Bundesgerichts Eastern District of New York in Brooklyn (wo gerade Ex-Kartell-Führer Joaquin „El Chapo“ Guzman vor Gericht steht) nahmen den Fall an. Das bedeutet: Im Fall einer Auslieferung müsste sich die Huawei-Managerin vor dem Brooklyn-Gericht verantworten.

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