Politik

Jetzt protestieren schonHähne in Gelbwesten

0

++ 74 Verdächtige festgenommen ++ Landesweit 80 000 Sicherheitskräfte im Einsatz ++ Tränengas gegen Demonstranten in Nimes ++ Insgesamt 32 000 Demonstranten++

Eigentlich sind die landesweiten Samstags-Proteste der Gelbwesten-Bewegung für Bilder der Gewalt bekannt – und nicht für ulkige Demonstranten.

Am neunten Protest-Samstag in Folge ist das anders: Unter den 5000 Demonstranten, die sich gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron versammeln, hat sich im französischen Bourges ein tierischer Teilnehmer gemischt.

Ein braun-schwarzer Hahn steht abseits der Demonstration, angebunden mit einem Faden. Eingehüllt in einen neon-gelben Putzlappen, den er mit geschwellter Brust vor sich herträgt, bekennt der Hahn Farbe für die Demonstranten.

So originell das Bild vom tierischen Demonstranten in Miniatur-Warnweste auch ist, im Verlauf des Tages könnte es für den Gockel aber ungemütlich werden.

Denn gerade in Bourges rechnen Sicherheitskräfte und Medien nach Online-Aufrufen mit größeren Protesten. Am frühen Nachmittag teilte die örtliche Präfektur mit, dass die Lage soweit überwiegend friedliche sei. Am frühen Abend brannten allerdings Barrikaden.

Nach den jüngsten Eskalationen bei den Protesten am vorigen Wochenende sind zum „9. Akt“ der Gelbwesten-Proteste landesweit landesweit 80 000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Sie sollen die Welle der Gewalt eindämmen, die Frankreich sonst bei den Demonstranten überrollt.

  • Frankreich-Check

    Die drei großen Probleme des Monsieur Macron

    Er war Europas aufgehender Stern. Jetzt muss Frankreichs Präsident Macron darum kämpfen, sein Image und seine Visionen zu retten.

Erste Demonstranten in Paris festgenommen

Zwar hatte die Zahl der Demonstranten in den Wochen um Weihnachten und Neujahr abgenommen, an Gewalt haben die Proteste aber kein bisschen eingebüßt. Auch vorigen Samstag brannten wieder Autos, Roller und ein Restaurantboot an der Seine.

Auch die Anzahl der Demonstranten ist seit Jahresanfang wieder angestiegen. Bei der letzten Protestwelle am vergangenen Samstag waren rund 50 000 Demonstranten auf die Straße gegangen. Medien und Polizei sind deshalb gespannt, ob die „Gelbwesten“ zu den jüngsten Protesten wieder mehr Franzosen mobilisieren konnten.

Bis zum frühen Nachmittag nahmen 32 000 Demonstranten im ganzen Land an den Protesten teil, wie das Innenministerium berichtet. Epizentrum der Demonstrationswelle ist das Stadtzentrum der französischen Hauptstadt. Dort standen bereits 5 000 Sicherheitskräfte 8 000 „Gelbwesten“ gegenüber.

Nach Angaben der Polizei hatte es am Samstagnachmittag Zusammenstöße mit der Polizei gegeben. Auf den Champs-Elysées ging die Polizei am Samstag mit Tränengas gegen Demonstranten vor, die mit Helmen, Masken und Pyrotechnik ausgerüstet waren

Nahe dem Triumphbogen wurden Polizisten nach eigenen Angaben mit Steinen beworfen, auch dort setzten die Ordnungskräfte Tränengas ein.

Bereits am Mittag waren 43 Menschen festgenommen worden. Nach Angaben der französischen Polizei hatten sie eine verbotene Waffe getragen oder sich einer Gruppe angeschlossen, die möglicherweise Gewalttaten begehen werden.

In der südfranzösischen Stadt Nîmes gab es ebenfalls Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und „Gelbwesten“. Demonstranten mit Blechplatten standen Polizisten gegenüber, die Tränengas und Hartgummigeschosse abfeuerten. Mehrere Menschen erlitten Verletzungen.

Insgesamt waren am frühen Samstagabend 74 Menschen in Polizeigewahrsam.

Seit Mitte November demonstriert die Bewegung gegen die Reformpolitik von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron und gegen eine als zu niedrig empfundene Kaufkraft. Immer wieder gab es Randale.

Hunderte „Gelbwesten“ und Sicherheitskräfte wurden seit Beginn verletzt. Nach Angaben des Regierungschefs wurden seit Beginn der Proteste im November rund 5600 Menschen in Polizeigewahrsam genommen. Rund tausend wurden strafrechtlich verurteilt.

Mit einer „nationalen Debatte“ will die Regierung ab kommendem Dienstag auf die Wut der Bewegung eingehen. Bürger sollen dabei Reformvorschläge machen können.

„Gelbwesten“ in London

Die Wut aus Frankreich hat mittlerweile auch den Ärmelkanal überquert. In London protestierten Tausende Briten nach dem Vorbild der „Gelbwesten“ gegen die Regierung von Premierministerin May und forderten angesichts des Brexits das Ende der Sparpolitik und Neuwahlen.

»Das war mein größter Fehler!

Previous article

AfD verschleudert eine Million für Kandidaten-Kür

Next article

You may also like

Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

More in Politik