Politik

Rezo-Mitstreiter LeFloid lässt Dampf ab

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Vier Tage nach den Europawahlen: Schwerer Familienkrach bei CDU und SPD.

Das Thema bei Maybrit Illner (54) im ZDF: „Das Groko-Desaster – falsche Themen, falsche Antworten?“

Das ZDF hat 75 Minuten spendiert, damit die Moderatorin die Trümmer besser sortieren kann – mit einer bunten Schar von Gästen: alt und jung, Verzweifelte und Besserwisser.

Die Gäste:

  • Claudia Kade (46), Redakteurin bei der „Welt am Sonntag“, haut erst mal die Sozis in die Pfanne: „Die SPD beschäftigt sich nur mit sich selbst und hat dabei die Wähler vergessen. Wer da an der Fraktionsspitze steht, ist egal. Die SPD wird sich, wenn sie so weitermacht, pulverisieren.“
  • Hans-Ulrich Jörges (67), Kolumnist beim „Stern“, Talkshow-Allzweckwaffe, empfiehlt der SPD, den Linken „ein Fusionsangebot zu machen. Dann könnte es eine neue Linkspartei geben“. Ein Schock für ältere Genossen, die sich an die Zwangsvereinigung von Sozialdemokraten und Kommunisten 1946 erinnern.
  • Johanna Uekermann (31, SPD), Ex-Juso-Vorsitzende, die den YouTuber Rezo mit seinem Wutausbruch („Zerstörung der CDU“) versteht: „Ich habe es so empfunden, dass er den Nerv getroffen hat.“ Die Jungen haben „das Gefühl, dass ihre Themen nicht besprochen werden, dass sie hinten runter fallen.“
  • Diana Kinnert (28, CDU), jung, konservativ, Buchautorin: „Für die Zukunft seh’ ich schwarz“, haut in dieselbe Kerbe: „Die junge Generation ist bei den Parteien gar nicht dabei. Die Jugend fühlt sich von den Parteien nicht abgeholt.“ Da sitzen die Sechzigjährigen.
  • Der Blogger LeFloid alias Florian Dietrich (31), dämpft die Aufregung über Rezos Anti-Parteien-Philippika: „Zehn Millionen Klicks heißt nicht, dass zehn Millionen das Video gesehen haben.“ Gut, dass das ein YouTuber sagt.
  • Carla Reemtsma, Klima-Aktivistin bei „Friday for Future“, wettert gegen „die ewige Wachstumsdoktrin“. Und: „Es werden nicht die Fragen gestellt, die die Leute bewegen.“
  • Ruprecht Polenz (73), in grauer Vorzeit CDU-Generalsekretär, stellt klar: „Die Klimafrage ist keine Generationenfrage. Ich habe vier Kinder und sieben Enkel. Es ist falsch, dass die Älteren das nicht interessiert.“
  • Gesine Schwan (76), Politologin und Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, zieht den Schluss: „Ich habe nicht den Eindruck, dass es ein Kommunikationsproblem gibt.

Im bequemen Talkshow-Sessel reden alle freundlich miteinander. Da ist von Zoff nicht viel zu spüren. Zumal es nicht viel Neues gibt.

Die Parteivorsitzenden – zum Abschuss freigegeben!

Doch Maybrit Illner piekst noch mal ins Schlangennest von CDU und SPD: Was wird aus Annegret Kramp-Karrenbauer, was aus Andrea Nahles. Uekermann-Blabla: „Ich will über Themen reden, nicht über Personen.“ Kinnert: „Es macht die CDU nicht zur Volkspartei, dass wir die Parteivorsitzende alle sechs Monate auswechseln.“ Jörges: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Annegret Kramp-Karrenbauer gar nicht Kanzlerkandidatin wird.“

Betreibt die „Blaue Locke“ Rezo mit seinem Video Meinungsmache?

Rezo-Mitstreiter LeFloid lässt kräftig Dampf ab: „Das war keine Meinungsmache.“ Und gegen Kramp-Karrenbauers Überlegung, Regeln im Wahlkampf aufzustellen: „Es gelten dieselben Regeln“ wie bei Zeitungen. „Es wird gar nichts reguliert.“ Schon jetzt sei „das Korsett so eng, dass man keine Werbung für jemand machen kann, ohne das klar zu kennzeichnen.“

Härteste Watsche des Abends von Ex-Juso Uekermann gegen die CDU-Vorsitzende: „Was AKK gesagt hat ist Quatsch!“ Sie denkt: „Die gucken das Video, dann machen sie da ihr Kreuz.“ Uekermann fasst sich an den Kopf.

Netz-Prediger Polenz über seine CDU: „Die Mitglieder sind zu wenig motiviert, etwas im Netz zu tun.“
Beste Empfehlung des Abends von Polenz: „Jeder politische Mandatsträger hat da die Möglichkeit für sich zu werben. Sie müssen täglich eine Stunde im Netz sein und sich der Diskussion stellen.“

Ist der Klimaschutz die Mutter aller Probleme?

LeFloid: „Warum wird die Diskussion nicht neu angestoßen? Ich kann nicht verstehen, warum man sich so vor der Demokratie und einem großen Diskurs scheut.“

Ex-Juso Uekermann: Manche Entscheidungen werden nicht gefällt, „weil man Menschen da etwas wegnehmen muss.“ Sie ist realistisch: „Grundsätzlich finde ich es nicht schlimm, wenn man Kompromisse macht.“

Polenz: „In der Politik geht man wie ein Steuermann über bewegte See.“

Klima-Aktivistin Reemtsma: „Man kann streiten, worüber man möchte, aber nicht über das Ziel.“

Zitat des Abends

Ruprecht Polenz: „Früher gab es die Angst vor der Atombombe.“ Angesichts der Konflikte im Iran „kommt das wieder verflixt nah. Es gibt nicht nur ein Thema, das existiert.“

Das war ein Talk der Kategorie: Zerfaserte Debatte. Kaum neue Argumente. Sechzig Minuten hätten gereicht.

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