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Was bedeutet der May-Rückzieher für den Brexit?

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++ Britische Presse geht hart mit May ins Gericht: „Weinerliche Theresa“ ++ „Sie gesteht endlich ihre Niederlage ein“ ++

Quelle: Reuters
1:44 Min.

Paukenschlag in Großbritannien: Premierministerin Theresa May (62) kündigt ihren Rücktritt als Parteichefin an – und stellt dann auch ihr Amt als Regierungschefin zur Verfügung! Am 7. Juni soll es so weit sein!

Emotional wie selten gab sie zu, beim Brexit gescheitert zu sein. Sie werde diese Niederlage für immer bedauern, sagte sie bei ihrem Tränen-Auftritt. Allerdings bleibt sie Regierungschefin, bis ein Nachfolger feststeht – dies wird voraussichtlich erst im Juli der Fall sein.

Was wird Mays Rückzug für den Brexit bedeuten?

Doch was bedeutet der Abgang von Theresa May für den Brexit? Aktuell ist die Frist für eine einvernehmliche Lösung mit der EU auf den 31. Oktober festgesetzt – dann verlässt Großbritannien nach jetzigem Stand die EU.

▶︎ Aus Sicht der EU ändert sich nichts an den Brexit-Gesprächen. Es gebe „keine Änderung“ der bisherigen Position der EU, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag. „Arbeitshypothese“ sei weiter, „dass der Brexit am 31. Oktober stattfinden wird“. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker werde auch einen Nachfolger Mays respektieren und eine Arbeitsbeziehung zu ihm aufbauen.

Rücktritt der Premierministerin

Merkel: Ich respektiere Mays Entscheidung

Quelle: Reuters
0:35 Min.

  • Theresa May gibt auf

    Tränen-Rücktritt!

    Nun sind ihre Tage gezählt. Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat ihren Rückzug angekündigt.

  • Warum dürfen die mitmachen?

    Brexit-Briten könnten uns die Europawahl versauen

    Wer soll diese aberwitzige Britenwahl heute ernst nehmen? Ausgerechnet die Brexit-Briten dürfen als Erste an die Urnen. Warum das?

Niemand weiß, wie es weitergeht

Sollte sich der ehemalige Außenminister Boris Johnson im Kampf um Mays Nachfolge durchsetzen, dürfte auch er versuchen, ein neues Abkommen mit Brüssel auszuhandeln. Die Gefahr eines harten Brexits dürfte in diesem Fall sogar steigen: Johnson gilt als Meister im „Rosinenpicken“ (so forderte er, dass die Briten den Zugang zum Binnenmarkt behalten sollen) und er lehnt Abschlusszahlungen an die EU ab.

▶︎ Brexit-Experte Iain Begg von der London School of Economics (LSE) zu BILD: „Johnson hat seinen zwischenzeitlichen Rückzug clever gespielt. Aber er steht vor zwei großen Hindernissen. Für den Parteivorsitz: Er hat Feinde innerhalb seiner eigenen Partei. Für die Wahl zum Premier: Eine Mehrheit im Unterhaus wird schwierig.“

Ob mit Johnson oder ohne – Begg glaubt, dass die Briten verhandeln werden: „Ende Oktober wird schnell kommen und EU-Ratspräsident Donald Tusk hat uns gewarnt: Verschwendet nicht diese Zeit!“

Begg hält auch Neuwahlen für möglich – oder eine britische GroKo aus Labour und Tories – oder sogar beides. Eine einfache Lösung für das Brexit-Desaster wird damit nicht unbedingt wahrscheinlicher.

Es sei wie immer in den letzten Wochen und Monaten, sagt Bogg: „Nobody knows …“

Politikwissenschaftler Nicolai von Ondarza von der Stiftung Wissenschaft und Politik sagte zur Deutschen Presse-Agentur:

„Boris Johnson ist mit Abstand der beliebteste konservative Politiker innerhalb der Basis der konservativen Partei. Aber Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Es gibt noch andere Bewerber – wie beispielsweise Außenminister Jeremy Hunt – die einen etwas weicheren Brexit-Kurs versprechen. Und man muss dazusagen: In den letzten 50 Jahren hat sich innerhalb der konservativen Partei bei solchen Wahlgängen nie der Favorit durchgesetzt.“

Eines hat der May-Rücktritt also sicher bewirkt – noch mehr Unklarheit! Bis zur Wahl eines Nachfolgers dümpelt Großbritannien nun orientierungslos dem EU-Austritt entgegen: mit einer Regierungschefin, die schon entmachtet ist.

Briten-Presse reagiert schadenfroh

Die Briten-Presse nahm die Ankündigung mit Erleichterung, Schadenfreude und Häme auf. Besonders ihre brüchige Stimme und der tränenerstickte Abschied sorgten für beinahe bösartigen Spott. Ein Überblick:

▶︎ „The Sun“ titelte wegen des Tränenausbruchs schadenfroh: „Das Ende von May: Weinerliche Theresa tritt zurück, nachdem der Brexit in Scherben liegt.“

▶︎ „The Telegraph“ schrieb kurz nach der Rücktrittsankündigung erleichtert: „Tränenüberströmte Premierministerin kündigt ihren Rücktritt für den 7. Juni an, nachdem sie endlich ihre Brexit-Niederlage zugegeben hat.“ Die Bilanz nach fast drei Jahren an der Regierung: „Sie war im Amt, aber nie an der Macht.“

Theresa May resigns | Tearful PM announces June 7 departure after finally admitting defeat on Brexit

— The Telegraph (@Telegraph) May 24, 2019

  • Post von Wagner

    Liebe Engländer,

    uns Deutsche macht gerade ein Youtuber irre, Rezo. Rezo ist nicht so schlimm. Ihr Engländer braucht wirklich einen Psychiater.

▶︎ „Daily Mail“ bebilderte das Ende mit einem Kurzvideo, das Mays tränenreichen Abschied und Abgang zeigt. Dazu schrieb das Blatt: „Theresa May bricht zusammen, als sie ihren Rücktritt ankündigt.“ Darunter stand: „Es endet alles in Tränen.“

▶︎„The Guardian“ bilanzierte die Amtszeit der Premierministerin und stellt fest: „May hatte nie die Krone im Griff, die ihr in den Schoß fiel.“

▶︎„The Times“ stellte umgehend die Schuldfrage: „Ein Versagen, ja. Aber die Geschichte wird zeigen, wer die Schuld trägt.“

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