Wirtschaft

Billiger ins EU-Ausland telefonieren

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Gespräche ins EU-Ausland dürfen künftig nicht mehr als 19 Cent pro Minute kosten. Wer eine Flatrate hat, sollte aber prüfen, was günstiger ist.

Wer Freunde und Verwandte anruft, die gerade im Ausland am Pool liegen, kommt günstiger weg als bisher. Das hat die EU verordnet.

901 Millionen Minuten telefonieren die Deutschen jeden Tag, davon 325 Millionen per Festnetztelefonie, 306 Millionen per Mobilfunk und 265 Millionen Minuten über das Internet.

Während Inlandsgespräche inzwischen oft in Paketpreisen enthalten oder sehr günstig sind, ließen sich die Telekom-Anbieter Gespräche ins europäische Ausland oft teuer bezahlen. Wer etwa kurz vor dem Sommerurlaub noch schnell den Vermieter seiner Ferienwohnung an der Côte d’Azur oder in den polnischen Masuren anrufen wollte, fand – je nach Anbieter – auf seiner Rechnung dann Posten von bis zu 19,99 Euro für zehn Minuten. Damit ist nun Schluss.


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Gespräche ins EU-Ausland dürfen – so schreibt es eine Verordnung der EU fest – maximal 19 Cent pro Minute kosten, egal ob vom Festnetz oder vom Handy. SMS dürfen nicht teurer als sechs Cent sein. Der Preis ist ein Nettopreis, ohne Mehrwertsteuer, so dass Anrufer aus Deutschland mit einem Endpreis von maximal 23 Cent pro Minute und von sieben Cent pro SMS rechnen müssen. Für manches Telefonat in andere EU-Länder werden sich die Kosten also neunteln.

Die neue Regelung gilt für Telefonate aus einem deutschen Netz in ein Netz der anderen 27 EU-Länder und nach Liechtenstein, Island und Norwegen, die zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gehören. Für die Schweiz gilt die Regel nicht. Auch auf dem Meer, etwa bei Kreuzfahrten, greifen die günstigeren Tarife nicht. Die Regelung sei ab sofort gültig, die Tarife würden ab Mitte Juli auf die neue Regulierung umgestellt, erklärt der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). „Verbraucher, die vorher umstellen wollen, müssen dies proaktiv bei ihrem Telefonanbieter veranlassen“, so der VZBV.

Flatrates vereinbaren

Vielen Telefonierern war bisher nicht klar, welche Kostenfallen in ihren Telefontarifen und Flatrates eingebaut waren. Vor zwei Jahren hatte die EU bereits die Roaming-Gebühren abgeschafft. Seither müssen Reisende, die außerhalb Deutschlands in einem EU-Land mit ihrem deutschen Tarif telefonieren, SMS verschicken oder online gehen wollen, dafür keine Extra-Gebühren zahlen. Ihre Tarife laufen in EU und EWR einfach weiter wie zu Hause. Umgekehrt galt dies jedoch nicht: Wer von zu Hause nach Porto, Edinburgh, Salzburg oder Athen telefonierte, musste beispielsweise bei Telekom Prepaid in allen Tarifen 1,99 Euro zahlen. Vertragskunden berappen bisher je nach Tarif 69 bis 98 Cent pro Minute, ebenso wie bei Vodafone. O2-Kunden kostet das Telefonat aus Deutschland in andere EU-Länder bisher 29 Cent bis 1,99 Euro pro Minute.

Wer dreistündige Telefonate mit dem Freund in Nizza oder der Schwester in Athen liebt, wird trotz des Gebührendeckels auf 23 Cent pro Minute ungerne insgesamt 41,40 Euro hinblättern wollen. Doch es gibt Alternativen. Kostenlos telefoniert man innerhalb des Internet-Tarifs per W-Lan auch drei Stunden über Whatsapp, Skype oder Facetime. Allerdings lässt hier die Verbindungsqualität häufig zu wünschen übrig. Weitere Alternativen: Seitdem vor gut 20 Jahren das Telefon-Monopol der Telekom im Festnetz weggefallen ist, muss sie es Kunden ermöglichen, über ihre Leitungen günstigere Anbieter und Verbindungen zu nutzen. Möglich ist das via Call by Call oder Callthrough.

Eine weitere Alternative: Bei den meisten Mobilfunk-Anbietern lassen sich Flatrates oder Minutenpakete für Auslandstelefonate buchen, die sich bei häufigeren Telefonaten schnell lohnen oder deren Minutenpreise auch deutlich unter der jetzt festgezurrten Höchstgrenze liegen. Verbraucherschützer weisen allerdings darauf hin, dass Kunden mit Flatrates oder Paketen prüfen sollten, ob die Kosten noch zu den gesenkten Höchsttarifen beziehungsweise ihrem Nutzungsverhalten passen. Neu ist für sie auch, dass die Höchstgrenze von 23 Cent nun auch für jede Minute oberhalb eines Minuten-Packages gelten.

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