Gesundheit

Ein Impfstoff soll die Welt vor Ebola bewahren

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Wenn irgendwo auf der Welt Ebola ausbricht, schrillen bei Experten die Alarmglocken. Die Prognose ist schwierig: Was spricht für, was gegen eine drohende Epidemie? Diesmal setzen alle Forscher auf einen neuen Impfstoff. 0

Ebola gehört zu den schlimmsten Infektionskrankheiten. Hohes Fieber, Gliederschmerzen, innere und äußere Blutungen und schließlich der Tod – so verläuft die Krankheit häufig. Sie beginnt wie eine Grippe, und so infizieren sich Angehörige und Bekannte schnell. Schutzmaßnahmen werden deshalb häufig erst eingeleitet, wenn sich bereits mehrere Menschen infiziert haben. Kurz: Wenn irgendwo auf der Welt Ebola ausbricht, schrillen bei Gesundheitsexperten die Alarmglocken.

So ist das auch bei der aktuellen Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo. Hier kämpfen die Hilfskräfte nicht nur gegen die Ausbreitung des Virus, sondern auch mit einer unstabilen Sicherheitslage. Zudem sind die Provinzen Nord-Kivu und Ituri im Osten des Landes sehr dicht besiedelt. Für die kommenden Tage werden deshalb auch weiter steigende Infektionszahlen erwartet.

In einem Krisenausschuss analysierte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Situation. Regional befürchten die Gesundheitsexperten, dass sich die Epidemie weiter ausbreitet. International aber beruhigen sie: Es bestehe derzeit keine Bedrohung für die Weltgesundheit – auch wegen des Einsatzes eines neuen Impfstoffs.

Nach Aussagen der WHO sind aktuell 181 Menschen mit dem Ebolavirus infiziert, 104 starben daran. Wahrscheinlich ist die Dunkelziffer jedoch höher, aber wegen des schlecht entwickelten Gesundheitssystems in den teils sehr abgelegenen Regionen ist eine konkrete Aussage kaum möglich. Die Gesundheitsexperten der WHO seien äußerst besorgt, sagte Robert Steffen, der Vorsitzende des Notfallkomitees. International aber sei das Risiko einer Ausbreitung momentan sehr gering. Zwar grenze das Ausbreitungsgebiet an die Grenzen Ugandas und Ruandas, hier sei bisher aber noch kein einziger Fall bekannt geworden.

Vor einer internationalen Bedrohung wurde deshalb vorerst nicht gewarnt. Damit, so Steffen, wolle man die Situation keinesfalls verharmlosen. Aber die Ausrufung eines internationalen Bedrohungsstatus könnte die Eindämmung der Epidemie tatsächlich erschweren. Dann nämlich käme es zu Einschränkungen der Handels- und Reisebedingungen, die Arbeit der Hilfskräfte würde behindert werden.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus versuchte dennoch, Optimismus zu verbreiten. In der Vergangenheit habe die Demokratische Republik Kongo bereits mehrere Ebolaepidemien erfolgreich bekämpfen können und die internationale Unterstützung sei auch dieses Mal groß. „Die Epidemie wird in angemessener Zeit eingedämmt werden“, sagte er. Wann das sein könnte oder ob ein Ende der Ausbreitung noch in diesem Jahr realistisch ist, blieb offen.

Der Einsatz eines experimentellen Impfstoffs mache Hoffnung, dass sich das Virus bei der aktuellen Epidemie nicht mehr so schnell ausbreiten kann, so Steffen. Diesen Impfstoff gibt es erst seit Kurzem – obwohl Wissenschaftler bereits seit Ende der 70er-Jahre daran arbeiten. Aber vor der heftigen Ebolaepidemie, die 2014 und 2016 im Westen Afrikas grassierte, wurde Ebola eher als Krankheit afrikanischer Entwicklungsländer abgetan.

Bei dem Ausbruch in Westafrika erkrankten aber knapp 30.000 Menschen, mehr als 11.000 von ihnen starben. Dieser Ausbruch erhöhte den Druck auf die Impfstoffentwickler, 2014 erwarb der Pharmahersteller Merck die Lizenzen an dem experimentellen Impfstoff rVSV-ZEBOV. In der Zwischenzeit wurde er weiterentwickelt, derzeit gilt er als 100 Prozent wirksam.

Beim aktuellen Ebolaausbruch wird dieser Impfstoff nun zum ersten Mal eingesetzt, obwohl er trotz der positiven Ergebnisse noch nicht offiziell zugelassen ist. Ghebreyesus versicherte: „Die Entscheidung für die Zulassung des Impfstoffs ist eigentlich schon gefallen, es fehlen nur noch Formalia.“

Viel Hoffnung liegt auf der Impfung gegen Ebola

Da eine flächendeckende Impfung in der erforderlichen Zeit nicht möglich ist, wird nun nach einem speziellen Muster geimpft: All diejenigen, die während der Ansteckungszeit Kontakt mit einem Erkrankten gehabt haben könnten, können sich immunisieren lassen. Hierzu gehören Menschen, die innerhalb der letzten drei Wochen vor dem Auftreten der Symptome beim Erkrankten entweder in dessen Haushalt waren, Besuch von dem Betroffenen bekommen haben oder auch nur in Kontakt mit seiner Kleidung gekommen sein könnten. Auch die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen vor Ort haben Anspruch auf den Impfstoff.

Die schwierige Sicherheitslage in dem Land erschwert allerdings die Suche nach den Kontaktpersonen. Bislang wurden mehr als 18.000 Menschen geimpft, darunter 4000 Kinder. Im Schnitt können, wie vorherige Epidemien gezeigt haben, nur maximal 92 Prozent der Kontaktpersonen ermittelt werden. Um die Durchimpfungsrate in der Bevölkerung zu steigern, überlegen Gesundheitsexperten, künftig alle Menschen im Verbreitungsgebiet des Virus‘ zu impfen – egal, ob ein direkter oder indirekter Kontakt zu dem Erkrankten bestand.

„Die Impfung kann dazu beitragen, dass sich die Krankheit langsamer ausbreitet. Sie ist aber nur eine von vielen Maßnahmen“, erklärte Steffen. Wichtig sind auch die Isolation der Patienten sowie die schnelle Beerdigung der Todesopfer, um die Eindämmung der Epidemie möglichst schnell zu gewährleisten. Das ist wichtig, weil sich die Krankheit aktuell in den sehr dicht besiedelten Provinzen Nord-Kivu und Ituri ausbreitet. Allein in Nord-Kivu leben etwa acht Millionen Menschen. Auch Kämpfe zwischen Rebellengruppen und Regierung in der betroffenen Region machen die Eindämmung der Epidemie kompliziert.

Seit Ebola in den 70er-Jahren das erste Mal beschrieben wurde, sind immer wieder Menschen an dem Virus erkrankt. Es wird vermutlich über fruchtfressende Flughunde übertragen, die das Virus in sich tragen, aber selbst nicht krank werden. Unzureichend gekochtes Fledermausfleisch oder Fleisch anderer durch die Fledermäuse infizierter Tiere können das Virus auf den Menschen übertragen.

Das aktuell in der Demokratischen Republik Kongo kursierende Virus ist vom selben Stamm wie das bei der schwersten Ebolaepidemie, die in Westafrika von 2014 bis 2016 grassierte. Wie lange es bei diesem Ausbruch bis zur Eindämmung dauern wird, ist unklar.

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