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SPD: letzte Hoffnung Hessen

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Schlecht wie nie stehen die Sozialdemokraten laut Umfragen da. In Hessen aber kann die SPD noch hoffen. Wird ihr Kandidat sogar Ministerpräsident? Eine Schicksalswahl – nicht nur für die Genossen, auch für Angela Merkel.

Der Tag beginnt nicht gut für den Wahlkampfbus von Thorsten Schäfer-Gümbel, dem Spitzenkandidaten der SPD in Hessen. Das purpurfarbene 10-Meter-Gefährt hat sich im Morgengrauen verfahren und steckt nun fest zwischen einer Bahnschranke und den davor wartenden Autos. Der Fahrer will wenden, doch es geht weder vorwärts noch zurück.

Genau wie in der deutschen Sozialdemokratie, könnte man behaupten. Die SPD scheint blockiert. Sie schafft es nicht, glaubwürdig zurückzufinden zu ihrem Kernthema, der sozialen Gerechtigkeit. Sie schafft es nicht, neue Themen zu besetzen. Und sie schafft nicht den Absprung aus der großen Koalition in Berlin – obwohl sie seit dem Bündnis mit Angela Merkels CDU und der CSU immer weiter an Beliebtheit im Volk verliert.

Entspannt in die letzte Woche

Schäfer-Gümbel, der Hessen-Mann der SPD, aber macht unbeirrt Wahlkampf. Der 49-Jährige will Ministerpräsident werden in dem Bundesland, das von der Finanzmetropole Frankfurt geprägt ist. “Tiefenentspannt” lautet sein Mantra. Wenn man zuschaut, wie Schäfer-Gümbel Berufspendlern am Bahnhof auf dem Weg in die City einen Kaffee und ein Croissant in die Hand drückt, nachdem sein Wahlkampfteam das morgendliche Ziel im Städtchen Dreieich südlich von Frankfurt schließlich erreicht hat, dann glaubt man ihm, dass er diesen Zustand erreicht hat. Er drängt sich den Menschen, die in dunklen Anzügen und Kostümen Richtung Büro eilen, nicht auf. Er wartet, bis jemand Interesse signalisiert.

Halten verboten: Wahlkampf-Bus von Thorsten Schäfer-Gümbel

So wie Jens Tauber. Der verlangsamt den Schritt, lässt sich von Schäfer-Gümbel an den Wahltermin am 28.10. erinnern, steckt einen Zettel mit Wahlwerbung ins Jackett. Seine Wahlentscheidung sei noch nicht gefallen, sagt er, bevor er in den Zug steigt. Er könne sich aber vorstellen, SPD zu wählen. “Man muss ja nicht immer nur den Gewinnern hinterherlaufen.”  

Merkel in der Zwickmühle

Die Parteienlandschaft in Deutschland verändert sich so rasant wie noch nie seit der Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1949. Die SPD ist größte Verliererin dieser Umwälzung. In den Umfragen kommt die ehemalige Volkspartei bundesweit auf nur noch rund 15 Prozent. Ein Desaster für die Genossen, die schon zur Kaiserzeit für Arbeiterrechte kämpften, im Lauf der Geschichte fünf Reichskanzler und drei Bundeskanzler stellten. Mit Schäfer-Gümbel hoffen sie nun auf einen SPD-Ministerpräsidenten in Hessen nach fast 20 Jahren CDU-geführter Regierung. Zur Zeit liegt er dort etwa gleichauf mit den Grünen bei gut 20 Prozent. Amtsinhaber Volker Bouffier von der CDU kommt aktuell auf rund 26 Prozent.

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