Politik

Deutsche ISIS-Rückkehrerin Derya Ö. packt aus

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Sie ging aus dem Rotlicht-Milieu ins Kalifat

Quelle: BILD
1:46 Min.

Am Sonntag forderte US-Präsident Donald Trump Deutschland und andere Staaten auf, ihre ISIS-Mitglieder, die in Syrien gefangen wurden, zurückzuholen und anzuklagen.

Doch manche sind schon zurück! Fünf deutsche Frauen hat die Bundesanwaltschaft mittlerweile festnehmen lassen – BILD hat eine von ihnen zuvor über Monate mit der Kamera begleitet.

Das Leben von Derya Ö. (26) begann schwierig: ständig Probleme in der Schule und im Elternhaus, schon früh gerät sie in problematische Kreise.

Mehrere Jahre ist sie mit einem hochrangigen „Hells Angels“-Boss zusammen, der sie in die Prostitution schickt. Sie wird immer unglücklicher, sucht einen Ausweg. Auf Facebook lernt Derya den deutschen ISIS-Kämpfer Mario S. kennen, der ihr von Syrien erzählt. „Ich hab ihn gefragt: Bist du verheiratet? – Nein. – Ok, dann heiraten wir.“

Zwei Monate später reist Derya in die Türkei und wird bei Azaz über die Grenze nach Syrien geschmuggelt.

„Als ich Mario dann das erste Mal gesehen habe, im Militäranzug, mit Waffe, der Bart – das war schön“, sagt Derya. Und schließt sich einer Terrorgruppe an, die einen Völkermord begeht, vergewaltigend und plündernd die Region verwüstet. An die erste gemeinsame Nacht mit Mario kann sie sich noch erinnern: „Wir waren in einem ehemaligen Folterkeller untergebracht, dort hingen Ketten von den Decken, an den Wänden war noch Blut, ganz gruselig“, erzählt Derya.

Im ISIS-Gebiet muss sie auch ein schwarzes Gewand tragen, geht nur komplett verschleiert auf die Straße. „Darunter sieht man gar nichts – auch keine Kalaschnikow“, lacht Derya. „Eigentlich wollte ich das alles gar nicht, ich wollte in Syrien den Kindern helfen.“

Stattdessen zieht sie mit Mario von einer Stadt in die nächste, zuerst durch Nordsyrien. In Raqqa teilt Mario ihr 2014 mit, dass das Kalifat ausgerufen wurde. „Ich dachte erst, das wäre was Schlimmes“, lacht Derya. „Er hat mir dann gesagt, nein, das ist was Gutes. Da wollte ich dann auch in die Luft schießen und war dann unter den ganzen feiernden Männern dort die einzige Frau.“

Schließlich zieht das Paar weiter in den Irak, 2015 wird ihr Sohn geboren. Doch immer wieder kommt es zum Streit zwischen den beiden, sodass Derya einen Entschluss fasst: Sie lässt sich scheiden. Mario versucht noch, sie umzustimmen, doch der ISIS-Richter gibt ihr recht. Sofort bekommt Derya neue Heiratsangebote – darunter auch von Denis Cuspert, früher bekannt als Rapper Deso Dogg, einer der prominentesten deutschen Dschihadisten im „Kalifat.“

„Er war früher öfter bei uns zu Hause, ein ganz lieber Mensch“, sagt Derya. Heiraten will sie ihn aber nicht. „Bei ihm hatten die Frauen nichts zu sagen, auch wenn er immer viel verspricht.“

Während der heiratswillige Cuspert nach Mossul reist, hat Derya andere Pläne. „Ich hatte eine Freundin, sie war mit einem Belgier verheiratet und bot mir an, die Zweitfrau zu werden.“ Derya nimmt das Angebot an und reist wieder nach Syrien, wo sie den belgischen ISIS-Kommandeur Abu Salahuddin heiratet. „Das war schön, auch wenn es für euch nicht vorstellbar ist: Er saß abends am Tisch in der Mitte, links eine Frau, rechts eine Frau und dazwischen die Kinder.“

Doch das dschihadistische Familienglück währte nur kurz: „War alles in Ordnung, bis er dann von einer Drohne getroffen wurde und nach zwei Monaten gestorben ist“, sagt Derya und lacht: „Gott hab ich ein Pech mit Männern. Alle sterben mir in meinen Händen.“

Nach seinem Tod kehrt Derya zu Mario zurück und zieht wieder in den Irak, denn ansonsten müsste sie ins Frauenhaus. „Mario war Ausbilder in einem Trainingscamp und hat Kurse für Kämpfer gegeben“, sagt Derya.

Auch ihr bringt er das Schießen bei. „Wir haben auf Flaschen geschossen, mit Handwaffen, mit Kalaschnikows und mit M16. Ich kann gut schießen, ich hab lange Arme“, lacht sie. Auch einen Sprengstoffgürtel bekommt sie. „Man braucht es als Frau zur Selbstverteidigung, wenn man alleine zu Hause ist. Wenn zehn Menschen reinstürmen und mich vergewaltigen und töten wollen – dann töte ich mich dabei auch, weil ich weiß, ich würde sowieso sterben.“

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